stolpern

Stunning track from Low’s latest album. Happy Birthday.

(Unter den Talaren)

Aktuelle Lektüre: 1913 von Florian Illies, über dessen sonstiges Œuvre man am besten den Mantel des Schweigens breitet. Und trotzdem hinterlässt seine jüngste Veröffentlichung auf den ersten 30 Seiten (oder, um es Kindle-gemäß zu formulieren: auf den ersten 10%) einen ausnehmend guten Eindruck.

In einem Nebensatz auf den ersten Seiten des Buches findet die Neue Berliner Sternwarte Erwähnung, die 1830 an der Friedrichstraße von Schinkel errichtet und 1913 bereits wieder abgerissen wurde.

imageUnd auch wenn sich die Sternwarte im südlichen Teil der Friedrichstraße befand — also nicht dem Teil nördlich von Unter den Linden, den man vermutlich aufgrund der Lage des Bahnhofes gemeinhin mit dem Namen Friedrichstraße assoziiert, so lässt sich auch am Beispiel der Sternwarte etwas beobachten, was sich als überaus charakteristisch für Berlin erweist.

Ich weiß nicht, ob es an meinem im Gegensatz zu den anderen Sinnen recht gut ausgeprägten Orientierungssinn liegt, aber in jeder mir halbwegs vertrauten Stadt, kann ich alte Bilder und Fotografien problemlos im heutigen Bild einer Stadt verorten. Das vom Bombenkrieg vergleichsweise verschont gebliebene München ist so ein Fall. Doch selbst im Ruhrgebiet lässt mich mein Orientierungssinn selten im Stich. Auch den Aufnahmewinkel kann ich für gewöhnlich problemlos verorten und nachstellen. 
In Berlin gelingt mir das nur äußerst selten. Sehe ich Aufnahmen vom Potsdamer Platz aus der Vorwendezeit, so bin ich bereits komplett orientierungslos. Gleiches gilt für andere bekannte Plätze und Straßen, die sich im Laufe der letzten 20 Jahre so sehr gewandelt haben, wie andere Städte in 200 Jahren nicht.

Zu Weihnachten bekam ich einen Satz von alten Fotografien aus dem Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts geschenkt.

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Als ich vor einigen Wochen mit den Fotografien in der Manteltasche die abgebildeten Orte aufsuchte, machte ich die oben geschilderte Erfahrung: Nur Orte, die von Natur aus wenig neuerliche Bebauung zulassen (wie etwa die Friedrichsbrücke) konnte ich wiedererkennen. Andere Orte hingegen überfordern mein Orientierungsbewusstsein zu einem solchen Grad, dass ich komplett verloren bin. Eine interessante Erfahrung.

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